Kap. 2

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Kap. 4

 
Zusammenfassung Kapitel 3

Wie steht es um uns?

In Kapitel Zwei riefen wir dazu auf, eine umfassende Weltanschauung zu entwickeln - also Welthäuser zu bauen -, um den Problemen der modernen Welt, die wir in Kapitel Eins aufzeigten, sinnvoll begegnen zu können. Kapitel Drei diente nunmehr dazu, diese Probleme näher zu beleuchten, um zu einer möglichst wirklichkeitsnahen Einschätzung der Gefahren zu gelangen, die uns bedrohen. 
    Vorab gaben wir einige Gedanken zu unserer europäischen Eigenart preis, immerzu alles verändern zu wollen.
    Das Ziel unseres Wirkens ist selbstverständlich in der Regel die Verbesserung unseres Lebens. Wir stellten uns jedoch die Frage, ob wir uns dabei immer der Tatsache bewusst sind, dass jede Handlung nicht unbedingt nur beabsichtigte Auswirkungen hat? ... Ob etwas neu Gestaltetes nicht woanders auch Zerstörung bringen kann? Schließlich greift jedes Tun zwangsläufig in bestehende, ausbalancierte Systeme ein. (Denken Sie zum Beispiel an die »Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen« auf den Beipackzetteln von Arzneimitteln.)
    Da sicherlich kein Mensch alle Folgen seines Tuns überblicken kann und da seit einigen Jahrzehnten immer wieder einige Wissenschaftler vor unabsehbaren Folgen des Fortschritts warnen, stellten wir das »Prinzip Vorsicht« als Leitlinie für vernünftiges Handeln auf.

Entscheidend für die Ausprägung vorsichtigen Handelns ist natürlich verlässliches Wissen über das, was geschehen kann. Doch Wissen ist zwangsläufig begrenzt, so dass sich die Frage stellt, worauf man sich denn verlassen soll, wenn es um die Vielfalt der ganzen Welt geht? 
    Letzten Endes gelangt man immer zu mehr oder weniger umfassenden Vorhersagen.Der Blick in die Zukunft ist aber alles andere als sicher, denn hier mischt sich Wissen und Glauben, Hoffnung oder Angst, persönliche Fassbarkeit und tatsächliche Wirklichkeit. Wer kann die Vorhersagen auf ihre Wahrscheinlichkeit hin prüfen? Wie genau oder allgemein ist eine Vorhersage verfasst? Welche Daten liegen ihr zugrunde? Vor allem: Welches Motiv hatte der Verfasser? Kann man etwa persönliche Interessen vermuten, die ihm einen Vorteil aus der Vorhersage bringen? Oder versucht er vielleicht unbewusst, seine heile Welt damit zu »retten«?
    Wir kamen jedenfalls zu der Überzeugung, dass es angenehmer ist, einer möglichen Gefahr direkt ins Auge zu blicken, als durch einen Nebel der Unsicherheit zu wandern.
    Sobald man möglichst viel über vergangene Abläufe gelernt hat, Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge erkennt, kann man - wie wir annahmen - Vorhersagen über künftige Ereignisse mit einem ungefähren Grad an Wahrscheinlichkeit treffen.

Mit den darauf folgenden Abschnitten wollten wir möglichst verlässliche Daten aus zwei geeigneten Quellen angeben, um Sie in die Lage zu versetzen, daraus eine einigermaßen wahrscheinliche, persönliche Vorhersage zu treffen.

 Zuerst haben wir versucht, mit Zitaten aus einschlägiger Literatur »Stimmen« von Vertretern der Naturvölker »hörbar« zu machen.
    Einvernehmlich berichten Menschen der verschiedensten Völker aller Kontinente von tiefgreifenden Veränderungen, seit der »Weiße Mann« sich ihres Lebensraumes bemächtigt hat. Beobachtet werden wuchernde Abfallberge, Luft- und Wasserverschmutzung, Zerstörung von Naturlandschaften, folgenschwere Eingriffe in vormals ausgewogene Systeme, drastische Verringerung von Wild- und Fischbeständen, starke Bevölkerungszunahme bis hin zu vermehrten Dürren und bereits merklichen Klimaveränderungen. Das alles führte fast überall zwangsläufig zur Aufgabe der althergebrachten Lebensweisen. 
    Man kann davon ausgehen, dass Völker, die seit Jahrtausenden ohne große Veränderungen in einer funktionierenden Beziehung zu ihrer Umwelt lebten und die erst seit wenigen hundert Jahren dem modernen Fortschritt ausgesetzt sind, ein feines Gespür für Abweichungen in der Natur haben. In vielen Fällen werden die Beobachtungen als »zerstörerischer Weg« bezeichnet; die Erde - gleichsam als lebendige Einheit betrachtet - sei krank und würde von den Weißen verdorben. 
    Es sollte noch erwähnt werden, dass die Veränderungen und Zerstörungen in der Natur, von denen die Naturvölker berichten, nicht etwa nur die Ballungsräume und Industriestandorte betreffen, sondern genau die Gebiete der Erde, die gemeinhin gern als unversehrte Wildnis angesehen werden!

Drei Interviews mit namhaften Wissenschaftlern am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie bestätigten die Eindrücke der »alten Völker«. Mit diesen Aussagen der Wissenschaftler und ergänzenden Angaben aus der Literatur können wir nach unserer Ansicht schlüssig begründen, dass die Zukunft der Menschheit von großen, selbst verursachten Gefahren  bedroht wird.
    Die Ergebnisse der Interviews mit den drei Wissenschaftlern und die daraus abgeleiteten Vorhersagen in kurzer Zusammenfassung:
 
Erwärmung des Erdklimas durch zusätzlichen Treibhauseffekt
Sachlage: Verbrennungsprozesse und andere menschengemachte Quellen führen zu einer Zunahme der Anteile von Gasen in der Atmosphäre (wie Kohlendioxid oder Methan), die zu einer unnatürlich starken Erwärmung der Erde führen
Notwendige Gegenmaßnahmen: Erhebliche Verringerung der Treibhausgasausstöße durch Energieeinsparungen, erneuerbare Energiequellen, Verringerung der Waldvernichtung und der Massentierhaltung
Derzeitiger Trend: Erfolge nur vereinzelt / Weitere Zunahme der Gasausstöße / Steigender Anteil des Verkehrs als Hauptverursacher
Kurzfristige Folgen: Zunehmende Orkantätigkeit / Erhöhung des Meeresspiegels / Überschwemmungen / Dürren
Drohende Spätfolgen: Katastrophale Auswirkungen in allen Bereichen, da das Klima ein sehr wichtiges Moment im System Erde darstellt / Beschleunigtes Artensterben / Explodierende Kosten ... 

 
Explosives Bevölkerungswachstum
Sachlage: Seit der Industriellen Revolution nimmt das Bevölkerungswachstum durch verbesserte Hygiene und verringerte Kindersterblichkeit drastisch zu / Der Verlauf ist exponentiell
Notwendige Gegenmaßnahmen: Aufklärung der Völker, die traditionell auf Kinderreichtum basieren / Verhütung und Familienplanung / Bessere Ausnutzung und Verteilung von Energie und Rohstoffen 
Derzeitiger Trend: Seit einigen Jahren ist ein minimal geringeres Wachstum zu verzeichnen / Die Entwicklung ist dennoch weiter exponentiell
Kurzfristige Folgen: Fortschreitender Naturverbrauch / Massenarmut / Versorgungslücken / Hunger und Unterernährung
Drohende Spätfolgen: Beschleunigtes Artensterben / Waldzerstörung begünstigt Erd-Erwärmung / Ausbreitung der Wüsten / Bevölkerungswanderungen / Kriege um Rohstoffe, Energie u. Wasser

 
Beschleunigtes Aussterben von Tier und Pflanzenarten
Sachlage: Schon ca. 10 % aller Tier- und Pflanzenarten sind vernichtet / Aussterberate 40 - 400 x schneller als normal
Notwendige Gegenmaßnahmen: Dringender Stopp der Naturvernichtung und -ausbeutung / Mindestens 10 % Totalschutzgebiete für die besonders gefährdeten Lebensräume / Nachhaltigerer Lebensstil
Derzeitiger Trend: Die Aussterberate verringert sich nicht / Weltumspannende freie Märkte fördern den »Ausverkauf der Natur« / Viele neue Nationalparks sollen den Trend aufhalten
Kurzfristige Folgen: Verarmung der Natur / Unstabile, seuchenanfällige Lebensräume / Verringerung des geistigen Wohlbefindens durch Wildnis-Verlust / Schwinden neuer Rohstoffquellen 
Drohende Spätfolgen: Weltweite epidemische Krankheiten an Nahrungsmittelpflanzen / Klimatische Veränderungen / Zusammenbruch des Gesamtsystems der irdischen Lebenswelt

 
Kriege um Rohstoffe und Energie
Sachlage: Das Gewaltvermögen des Menschen ist durch den Waffengebrauch entartet / Neid auf den westlichen Lebensstil und Mängel an Energie und Rohstoffen führen zu kriegerischen Auseinandersetzungen
Notwendige Gegenmaßnahmen: Änderung des westlichen Lebensstiles zu nachhaltigerem Wirtschaften / Demokratisierung und gerechtere Verteilung von Energie und Rohstoffen / Modernste Spar-Technik, vor allem für die dritte Welt
Derzeitiger Trend: Die Mehrzahl der Drittweltländer versuchen den westlichen Lebensstil zu kopieren / Es gab bereits einen Krieg um Öl
Kurzfristige Folgen: Drittweltländer machen die gleichen Fehler wie wir / Kriege um Öl sind praktisch vorprogrammiert
Drohende Spätfolgen: Einsatz von Atomwaffen / Verheerende ABC-Kriege / Not und Elend in allen Bevölkerungsschichten

 
Motorisierter Individualverkehr
Sachlage: Weltweit stark zunehmender motorisierter Verkehr als eines der Hauptmerkmale unserer Kultur / Auto aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken
Notwendige Gegenmaßnahmen: Erhebliche Verringerung von Material- und Energieverbrauch in Herstellung und Verkehr / Verlagerungen vom Privat- und Lastverkehr auf die Öffentlichen Verkehrsmittel / Entwicklung erdölfreier Motoren / Verteuerung von Öl
Derzeitiger Trend: Riesiger Auto-Bedarf in der dritten Welt / Entwicklung immer noch geprägt durch »Schneller, Stärker, Luxuriöser« / Zunehmende Macht der Öl- und Fahrzeugindustrie
Kurzfristige Folgen: Zunehmende Luftverschmutzung und Kohlendioxidausstoß / Landschaftszerstückelung durch Straßenbau
Drohende Spätfolgen: Verstärkung der Klima-Erwärmung / Artenschwund durch Lebensraumzerstückelung / Zivilisationskrankheiten

 
Gentechnik
Sachlage: Veränderung von Lebewesen durch direkte Eingriffe in die Erbmasse zur Erzielung »verbesserter« Eigenschaften 
Notwendige Gegenmaßnahmen: Mißbrauch und Machtverdichtung von Konzernen unterbinden / Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel / Langzeituntersuchungen von Nebenwirkungen in Umwelt und Körper
Derzeitiger Trend: Weltweites Interesse der Industrie trotz kostengünstigerer, ebenso wirksamer Methoden für die gleichen Zwecke / Jedoch deutliche Bewusstseinszunahme in der Bevölkerung mit Gegenwehr
Kurzfristige Folgen: Machtzunahme von Gentechnik-Firmen / Bewusste Abhängigkeiten der Nahrungsmittelproduzenten von Genfirmen
Drohende Spätfolgen: Völlig unbekannte, unerwartete, weitreichende Nebenwirkungen auf Natur und Mensch / Vermischung von veränderten Lebewesen mit Wildarten / Gesundheitsrisiken

 
Trinkwasserverknappung und -verschmutzung
Sachlage: Zwei Drittel der Weltbevölkerung leiden bereits unter Wasserknappheit / Gewässer werden weltweit verschmutzt und müssen anschließend wieder geklärt werden
Notwendige Gegenmaßnahmen: Verbrauchsminderungen in Industrie und Landwirtschaft / Ersatz der Ausbringung schädlicher Stoffe durch unbedenklichere / Trinkwasser-Verteuerung
Derzeitiger Trend: In Industrieländern hoher Wasserschutzstandard / In Drittweltländern schwierig wegen hoher Kosten, aber dennoch zu erwarten, da direkter Einfluss auf das Leben
Kurzfristige Folgen: Verteuerung / Aufrufe zum Wassersparen / neue Kläranlagentechniken / Krankheiten und Mangelerscheinungen
Drohende Spätfolgen: Zusammenbruch in subtropischen und tropischen Nahrungsmittelbetrieben / Versteppung großer Landstriche / Kriege um Wasser

 
Gesundheitsrisiken durch Schadstoffe
Sachlage: Die Chemie bringt dauernd neue Stoffe hervor, die in Industrie, Landwirtschaft und Privathaushalten ihren Dienst tun / z.Z. ca. 35.000 Stoffe / Ausbringung in die Umwelt seit Jahren / Nachteile für die Gesundheit in vielen Fällen erwiesen oder vermutet / Wechselwirkungen nicht absehbar
Notwendige Gegenmaßnahmen: Schärfere Umweltgesetzgebung / Entwicklung unbedenklicherer Ersatzstoffe / Längere Erprobung und Erforschung von Wechselwirkungen mit anderen Stoffen
Derzeitiger Trend: Zunehmendes Bewusstsein in der Bevölkerung / Bei uns rückläufige Anwendung, jedoch immer neue Stoffe
Kurzfristige Folgen: Stoffe gelangen in die Nahrungskette / Schleichende Verseuchung von Lebewesen bis hin zum Menschen
Drohende Spätfolgen: Unabsehbare Wechselwirkungen / Spätfolgen durch langlebige Giftstoffe und Wechselwirkungen / Krankheiten

 
Energie- und Rohstoffverknappung
Sachlage: Rohstoffe und fossile Energieträger werden verschwendet; nicht optimal ausgenutzt / Weltweit ungerechte Verteilung / Energieverbrauch höher als Neuaufnahme von der Sonne
Notwendige Gegenmaßnahmen: Verteuerung von Energie und Rohstoffen / Bessere Ausnutzung / Neue Technologien erfinden und umsetzen / Märkte für Einsparmöglichkeiten schaffen
Derzeitiger Trend: Rohstoffförderung läuft auf Hochtouren / Einsparungen sind kein Thema / Massenverbrauch und grenzenloses Wachstum bestimmen weiter die Entwicklung
Kurzfristige Folgen: Weltweiter, freier Markt fördert den Naturverbrauch / Ende der Reserven unumgänglich / Verbrauchen als scheinbare Normalität im Ansehen der Menschen
Drohende Spätfolgen: Kostenexplosion / Kriege um Energie und Rohstoffe / Zusätzlicher Treibhauseffekt nimmt zu / Massenarmut

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